Der alte Teil von Nieder-Bessingen - an der B488 von Lich nach Laubach gelegen - wird beherrscht von der Kirche, die wie eine Burg in die einst sumpfige Wetterniederung vorspringt und mit einer starken Mauer umgeben ist.
Der Kirchturm ist spätgotisch. Sein Obergeschoss diente sicherlich Verteidigungszwecken, darauf deuten der Gusserker, die schmalen Zwillingsfenster an allen vier Seiten und der Plattenbelag eines Wehrganges hin. An seiner Außenmauer finden sich Zunftzeichen, so auf der Westseite zwei Schilde mit Schere und mit Pflug, an seiner nördlichen Eckquaderung Schere und Tuch, Löwe auf liegendem Schild, Hammer, Hufeisen und Winkel. An der südlichen Eckquaderung der Westseite sind Ochsenkopf und Hackklotz, Hammer und Doppelaxt zu sehen. Die Deutung der Schilde auf der westlichen Eckquaderung der Südseite ist schwierig, es sind wohl Weberschiffchen, vielleicht auch Brot und Wagenrad.
Das Schiff der Kirche wurde 1738 durch M. Christofel Schmit von Hungen aufgerichtet.
Die Wappenscheiben in den Fenstern reichen dagegen bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Die verblichenen Wappen Georg Oyer Brendels von Homburg und Annas von Bellersheim erinnern an deren Hochzeit 1568.
An der Südseite befinden sich zwei Wappenscheiben, die an die Hochzeit von Thomas von Colmar und einer andere Anna von Bellersheim 1540 erinnern; dort befindet sich außerdem ein Wappen der Herren von Göns.

aus Lich - Geschichte und Gegenwart 1993